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Verlag Harald Voß
"Leserbrief"

(aufgezeichnet von Harald Frehe)

Hallo Hertha-Freunde! Mein Name ist Kelly (siehe Foto)! Vielleicht wundert ihr euch, was ich mit Hertha zu tun habe, außer dass ich mit Herthinho verwandt bin, aber das werde ich euch gleich erklären.

Meine Geschichte beginnt in Banff, Kanada, im Sommer 2000. Gemeinsam mit vielen kleinen Brüdern und Schwestern war ich dazu verurteilt, meine Tage (und Nächte) auf einem staubigen Holzregal eines Souvenirgeschäftes zu verbringen. Und das nur, weil wir uns als Moose (Kanadischer Elch, Anm. der Red.) verkleidet und auf Parkplätzen die Touristen angebettelt hatten (das Füttern der Bären ist in Kanada verboten). So stand ich dort - ich weiß nicht mehr wie lange - und wurde Tag für Tag von meist kleinen, gelben und kichernden Touristen mit grinsendem Gesicht begrabscht, gedrückt und begutachtet. Viele meiner Brüder und Schwestern wurden nach einer solchen Aktion grausam in eine dunkle und stickige Plastiktüte gepfercht und verschwanden dann auf Nimmerwiedersehen. Ich war oftmals drauf und dran, die Hoffnung auf ein besseres Leben aufzugeben.

Aber eines Tages nahte die Rettung! Das erste, was ich sah, war ein großes blaues Poloshirt mit dem Aufdruck "Hertha BSC", das sich mir näherte. Mein kleines Bärenherz hüpfte alleine deshalb vor Freude, nicht, weil ich damals schon was von dem deutschen "Soccer"-Verein gehört hatte, nein, aber ich war doch fest der Meinung, "BSC" wäre die Abkürzung für "Bärenschutzclub". Ein paar deutsche Vokabeln hatte ich in der langen Zeit meiner Regalgefangenschaft schließlich schon aufgeschnappt. So kam also dieses Poloshirt auf mich zu und erschien mir wie die lang ersehnte Rettung aus meinem traurigen Dasein. Blitzartig wurde ich plötzlich gepackt und emporgehoben und schaute in die strahlenden und glänzenden Augen des Poloshirtträgers. "Den nehmen wir mit!" Diese Worte waren Musik in meinen Ohren, hatte ich doch schon befürchtet, wie viele meiner Leidensgenossen den Rest meiner Tage auf einer fernen Insel bei Wasser und Reis verbringen zu müssen. Und welches Glück ich nun hatte, sollte ich in den nächsten Tagen und Wochen erst richtig erfahren!

Zunächst wurde zwar auch ich von den grausamen Wärtern des Souvenirshops in eine Plastiktüte verfrachtet, aber sofort protestierte mein Retter und sorgte dafür, dass ich herausschauen konnte und Luft bekam. Dann wurde ich in ein herrliches Appartement gebracht, wo ich mich in einem weichen Bett von meiner langen Gefangenschaft erholen durfte.

Am nächsten Tag bekam ich dann mit, dass Harald (mein Retter) und seine Frau Manuela auf einer Rundreise waren und nun die Busfahrt durch Kanada fortgesetzt werden sollte. Natürlich hatten wir anfangs erhebliche Verständigungsprobleme, mein Bärisch ist ja auch schwer zu erlernen. Aber ich hatte Glück, denn wenigstens meinen Namen konnte ich meiner neuen "Familie" leicht mitteilen. Wir bestiegen nämlich den Bus und ich wurde der netten Reiseleiterin Marianne sofort als neuer Fahrgast vorgestellt. Dabei sah ich das Namenschild des Busfahrers! Welche Überraschung: er hieß genauso wie ich! Wild ruderte ich mit meinen kleinen Ärmchen, um die anderen darauf aufmerksam zu machen, da rief aber auch schon Marianne: "Der sieht ja aus wie Kelly!" Und dadurch wussten schließlich alle, wie ich heiße!

Ich durfte nun also den Rest der Rundfahrt mitmachen, sah Verwandte von mir in freier Wildbahn (die ich inzwischen aber gar nicht mehr beneide!) und lernte auch so manchen Pub kennen, in den ich alleine noch gar nicht reingedurft hätte. Den ganzen Rest der Reise, die auch noch durch Kalifornien, Nevada und Utah führte, kann ich hier leider nicht wiedergeben, nur soviel: In Victoria bekam ich noch einen Begleiter! Inzwischen hatte ich mitbekommen, dass Manuela es sich offensichtlich zum Ziel gesetzt hat, alle gefangenen Tiere aus den Souvenirgefängnissen dieser Welt zu befreien. So entführten wir schließlich einen großen braunen "Moose" (Elch), wobei Manuela die Wärterin mit einer kleinen silbernen Plastikkarte ablenkte, während ich mit Harald meinen neuen Freund nach draußen schmuggelte.

Schließlich flogen wir gemeinsam mit einer großen brummenden Maschine nach Deutschland, wobei ich immer besonders nett von den kostümierten Frauen behandelt wurde, die ständig zwischen den Sitzen hin und herliefen und Getränke anboten.

In meiner neuen Heimat habe ich mich inzwischen gut eingelebt. Jetzt weiß ich auch, was "BSC" tatsächlich bedeutet, aber das hat mich gar nicht enttäuscht. Inzwischen bin ich sogar richtiger Hertha-Fan geworden und schaue mir, so oft es geht, die Spiele im Fernsehen an. Leider durfte ich bisher noch nicht mit ins Stadion. Harald sagt, die Kontrolleure am Eingang würden mich sonst vielleicht zu doll drücken oder hätten sogar Angst, ich könnte auf das Spielfeld springen. Dabei habe ich genau gesehen, dass dieser große dicke Herthinho da ja auch immer am Spielfeldrand rumspringt (oder eher schlurft).

Na ja, vielleicht darf ich ja doch irgendwann mal mit, die meisten Spiele, die ich im Fernsehen sehen durfte, hat Hertha ja schließlich gewonnen! Und noch eins: ich hoffe, meine Geschichte war nicht langweilig und vielleicht gibt es ja noch andere glückliche Bärchen, Elche und dergleichen, die inzwischen Hertha-Fan geworden sind? Dann schreibt doch auch einen Leserbrief an den Hertha-Freund!

So long, euer Kelly







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