Ausgabe Nr. 36 - September 2000
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Acht Jahre Hertha-Freunde '92 e.V. - der Versuch einer Bilanz
(von Harald Voß)
Durch Zufall trafen sich vor gut 8 Jahren einige Hertha-Fans im Vorzimmer des damaligen Hertha-Managers Wolfgang Levin. Unabhängig voneinander hatten sie alle Vorschläge gemacht, was man bei Hertha BSC verbessern könnte, und der Manager hatte alle zu einem Treffen eingeladen.
Zu diesem Zeitpunkt stand Hertha BSC gerade auf einem Abstiegsplatz in der 2.Liga. Die Zuschauerzahlen im Olympiastadion waren furchterregend niedrig, und auch sonst stimmte einiges nicht. Das Stadionmagazin war dünn, die Anzeigetafel im Olympiastadion wurde kaum genutzt, die Fans ärgerten sich mit Vorschriften über Fahnenlängen und Stehverbote herum usw. usf.
Nicht zuletzt war auch damals schon der Wunsch der Fans nach blau-weiß längs gestreiften Trikots ein Thema. Auf unzähligen Mitgliederversammlungen wurden solche Punkte thematisiert, und der neue Manager Levin machte den Eindruck, solche Vorschläge nicht nur ernst zu nehmen, sondern auch umsetzen zu wollen, weshalb man das Ganze etwas konkretisierte.
So kam es zu diesem Treffen in der Hertha-Villa.
Als die konstruktive Sitzung mit dem Manager beendet war, kamen dann die ersten Gedanken auf, die Ideen zu konzentrieren, und sich zu einem Verein zusammenzuschließen. Die Idee der Gründung der "Hertha-Freunde `92 e.V." war geboren. Wir wollten nicht nur einfach ein Fanclub sein, wir wollten etwas bewegen, Hertha BSC mit unseren Ideen aber auch tatkräftig unterstützen.
So kam es dann, dass wir mehrere Spiele lang zu Gast bei der Regie der Anzeigetafel waren, die Anzeige von Gelben/Roten Karten, Torgrafiken und Zwischenergebnissen - von uns vorher vehement gefordert - erreichen konnten. Dafür wurde in der Anzeigetafelregie extra ein Fernseher mit Videotext installiert und ein Mitarbeiter am Spielfeldrand bekam ein Funkgerät, womit er angewiesen wurde, auch Gelbe und Rote Karten nach oben durchzugeben (von der Steuerkabine hat man zwar einen exzellenten Überblick über das Spielfeld, durch die Entfernung und die vielen Tätigkeiten, die dort zu absolvieren sind, bekommt man vom Spiel selbst aber eher weniger mit - dafür hat dann immer ein Mitarbeiter am Spielfeldrand die Torschützen und anderen Ereignisse per Telefon in der Kabine an den Stadionsprecher durchgegeben, der das dann weitergegeben hat).
Große Pläne bestanden damals auch, was z.B. die Übertragung von Pressekonferenzen nach dem Spiel auf der Anzeigetafel betraf. Dafür hätte aber erst ein Kabel gelegt werden müssen, und das konnte Hertha BSC nicht alleine machen, da hing man vom Stadionverwalter ab.
Ein großer Mangel unserer Meinung nach war die fehlende Information vor allem auch der außerhalb Berlins lebenden Fans über den Verein Hertha BSC. Wir haben uns deshalb daran gemacht, und den "Hertha-Freund" ins Leben gerufen. Die ersten Ausgaben waren noch als reines "Mitgliederinformationsblatt" konzipiert, von denen wir vor allem auch im westdeutschen Raum bereits einige gesammelt hatten. So gab es eine eigene Außenstelle Rhein/Ruhr der Hertha-Freunde ´92 e.V., die sich vor allem um die Organisation von Mitfahrgelegenheiten zu Auswärts- oder auch Heimspielen für die westdeutschen Mitglieder kümmerte und auch als Informationspipeline der Mitglieder diente.
Ab der 5. Ausgabe konnte dann der Hertha-Freund mit Hilfe von Sponsoren und Anzeigenkunden in größerer Auflage gedruckt werden und wurde anfangs bei Spielen verteilt, ehe dann der Verkauf über die Kioske des Zeitungseinzelhandels folgte.
Wir hatten auch einige Vorschläge gemacht, wie man das Stadionprogramm ein bisschen interessanter gestalten könnte, und so kam es dann, dass wir eines Tages einen Anruf von Manager Levin bekamen, ob wir denn nicht mal eben das Programmheft für die nächsten Spiele machen könnten, man habe den dafür Verantwortlichen gerade gefeuert...
So durften wir dann innerhalb einer Woche ein Programmheft aus dem Boden stampfen - an die Realisierung unserer eigenen Vorschläge war da natürlich erst einmal nicht zu denken, aber immerhin, Hertha musste nicht auf ein Programmheft für die beiden letzten Saisonspiele verzichten. So ganz nebenbei haben wir auch noch den Verkauf am Stadion organisiert.
Mit zunehmender Entwicklung der Technik war klar, dass wir auch ins Internet gehen würden. Und so war es auch kein Zufall, dass die Hertha-Freunde ´92 e.V. der erste Hertha-Fanclub mit einer eigenen Homepage im weltweiten Datennetz wurden.
Mittlerweile hat sich die Situation bei Hertha BSC grundlegend verändert. Waren früher teilweise nur drei feste Mitarbeiter in der Geschäftsstelle tätig, so ist es inzwischen eine dreistellige Zahl von Mitarbeitern, die sich um all solche Sachen kümmern, die wir früher gefordert hatten. Das Stadionprogramm wird von einem professionellen Journalistenteam erarbeitet, und auch an der Anzeigetafel nutzt man jetzt mit FanTV einen externen Anbieter. Hat man vorher mit dem Fanartikelverkauf Verlust erwirtschaftet, so werden mittlerweile Millionenbeträge erzielt. Alles ist ein bisschen professioneller geworden, so dass unsere "Mithilfe" nicht mehr unbedingt erforderlich ist, was nicht heißt, dass wir nicht weiterhin unsere Meinung äußern werden, wenn bei Hertha BSC etwas schief läuft bzw. wenn wir Verbesserungsmöglichkeiten sehen. Ein Beispiel dafür ist die in der letzten Saison ins Leben gerufene Faninitiative gegen die Platznummerierung im Olympiastadion. Hier ist es zumindest für die Fanblöcke gelungen, die Platznummerierung für Bundesligaspiele aufzuheben.
Aber neben diesen mehr idealistischen Absichten haben wir natürlich auch noch unser normales Vereinsleben. So treffen wir uns regelmäßig nach den Heimspielen in unserer Vereinskneipe "Zur Tonne", diverse Veranstaltungen, wie Dart-, Bowling- oder Skatturniere, und nicht zu vergessen, unsere alljährliche Weihnachtsfeier sorgen für ein bisschen Vereinsgemütlichkeit. Und dann ist da noch unsere Fußballmannschaft, die zu diversen Turnieren in ganz Deutschland immer wieder eingeladen wird und leider all zu oft aus Termingründen absagen muss. Schließlich wäre da unser eigenes Turnier: der Wanderpokal der Hertha-Freunde ´92 e.V., ein Hallenturnier, welches wir in der Vergangenheit stets für einen sozialen Zweck ausgetragen haben und an dem schon Mannschaften wie die Traditionsmannschaften von Hertha BSC, 1.FC Union und Tennis Borussia, Journalistenauswahlmannschaften, Vertreter des Abgeordnetenhauses, einige Betriebssportmannschaften und auch immer wieder Vertreter aus dem Umland Berlins teilgenommen haben.
Auch haben wir es immer als wichtig erachtet, Kontakte zu Fanclubs anderer Vereine aufzubauen, so hat es schon diverse Partys nach Bundesligaspielen gegeben.
Nicht zuletzt gibt es aber auch immer einige negative Punkte. So haben wir es z.B. nicht geschafft, das, einer Idee von Wolfgang Holst entsprungene, Netz von Hertha-Stützpunkten rund um Berlin aufrecht zu erhalten. So sind die Stützpunkte in Fürstenwalde, Bernau und Kyritz leider wieder in der Versenkung verschwunden. Zu hoch ist dort die Mitgliederfluktuation gewesen bzw. zu gering und zu wechselhaft die Resonanz vor Ort.
Nichtsdestotrotz haben wir immer noch einen recht hohen Anteil von Mitgliedern außerhalb Berlins, einige kommen sogar aus Norwegen (und das übrigens schon lange bevor Kjetil Rekdal zu Hertha kam). So können wir uns wohl als der Fanclub mit dem nördlichsten Mitglied (Spitzbergen) bezeichnen. Und so hoffen wir jedes Mal erneut, dass uns das Losglück für die internationalen Wettbewerbe einmal einen norwegischen Gegner beschert, damit wir die vielen Besuche unserer norwegischen Mitglieder einmal in größerer Zahl erwidern können!
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