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Verlag Harald Voß
Risiko... oder ...wenn die Nerven flattern!

(von Harald Tragmann)

Mitten im australischen Outback erreichte mich im Dezember der Anruf von ENDEMOL, um mir die endgültige Zusage zur Teilnahme an der Quizsendung 'RISIKO' zu geben, die Sendung, in der von Montag- bis Freitagnachmittag im ZDF die Kandidaten versuchen, ihr Fachwissen zu einem bestimmten Thema auf die Probe zu stellen. Ich hatte mich natürlich zum Thema 'Hertha BSC' beworben und freute mich, nachdem ich das Casting zuvor erfolgreich absolviert hatte, schon auf die Aufzeichnungen, die Mitte Februar erfolgen sollten. Aber wo werden die meisten Themenschwerpunkte wohl liegen? Eine Eingrenzung des Themas gab es nicht: Alles seit der Gründung unserer Hertha im Jahre 1892 konnte gefragt werden.

Ich verließ mich also bei den jüngeren Ereignissen seit den 70er Jahren auf das Selbsterlebte und begann vor allem, die Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg zu verinnerlichen. Vollgepumpt mit den Paarungen, Torschützen und Geschehnissen der großen Meisterschaftsjahre 1926 bis 1931 und vielen Ereignissen zuvor seit der Gründung sowie den wichtigsten Dingen bis zur Gründung der Bundesliga, machte ich mich auf den Weg nach Köln, wo die Aufzeichnungen stattfanden. (Tags zuvor war ich natürlich noch im Stadion beim Sieg über die Arminia aus Bielefeld.)

Vom Flughafen ging es direkt ins Studio, wo alle Kandidaten mit ihren verschiedenen Fachgebieten vom Karo-Team empfangen wurden. Doch zunächst hieß es warten, denn die Kandidaten vor mir waren alle am Gewinnen und so verzögerte sich mein erster Auftritt. Doch darüber war ich keineswegs böse, denn statt unmittelbar vom Flieger auf die Bühne zu müssen, empfand ich es als recht vorteilhaft, zunächst einmal hinter die Kulissen zu schauen, Moderator Kai Böcking vorab kennen zu lernen und mich langsam an alles zu gewöhnen. Außerdem waren ja noch etliche Vorbereitungen zu treffen, so musste auch die richtige Garderobe ausgesucht werden. Da die Sendungen an maximal vier aufeinander folgenden Tagen ausgestrahlt, jedoch nur an einem oder maximal zwei Tagen aufgezeichnet werden, darf natürlich nicht in jeder Sendung die gleiche Kleidung getragen werden. Ich hatte mir dazu etwas Besonderes ausgedacht, ich wollte einfach in der ersten Sendung mit dem aktuellen Trikot beginnen und dann jede Sendung eine Saison zurückwandern und über dem Trikot als Glücksbringer das Sakko tragen, mit dem Ayhan Gezen 1993 nach dem Pokalfinale durchs Brandenburger Tor triumphiert war und das ich seit diesen Tagen im Schrank zu hängen habe.

Doch da begannen schon die Probleme... öffentlich rechtliche Sender und Werbung, das konnte nicht gut gehen. Mit dem aktuellen Trikot gab es noch keine allzu großen Probleme, denn das Sakko würde ja die Werbung der Continentale links und rechts teilweise überdecken, doch bei den älteren quergestreiften Trikots stand groß 'adidas' unterm Kragen und das wurde flink mit einem RISIKO-Aufkleber abgedeckt. Noch problematischer das Trikot der Aufstiegssaison, denn neben dem Adidas-Logo musste auch der Schriftzug 'Trigema' unter der weiß-rot-blauen Schwinge abgedeckt werden. Dennoch wollte ich mich nicht von dem Gedanken abbringen lassen, die Trikots in den Sendungen zu tragen. Dafür wurden alle Sachen frisch aufgebügelt, diesen Service hätte wohl jeder gerne zu Hause.

Den Rest des Tages sollte ich damit verbringen, die anderen Kandidaten kennen zu lernen, die Aufzeichnungen zu verfolgen und die Sieger zu feiern. Das Karo-Team sorgte sich fürsorglich um alle Kandidaten. Vom Essen über Getränke, Medizin und gute Laune waren sie stets zur Stelle.

Im Hotel durfte ich mich also noch einmal eine Nacht sammeln und mein Wissen hier und da auffrischen, doch am nächsten Morgen sollte es dann ernst werden. Nachdem ich erneut beim Redakteur hatte vorsprechen müssen, mich in das erste Trikot geworfen hatte und nun in der Maske war, wusste ich, es wird ernst. Hatte der Vortag doch sehr zur Entspannung beigetragen, so fing mich jetzt doch langsam wieder die Nervosität ein. Nun hieß es raus auf die Drehbühne, ein paar Schluck Wasser nehmen und letzte Anweisungen für die Sendung bekommen, bevor Kai Böcking das Studio betrat, um die Allgemeinwissensrunde zu beginnen. Nervös wie ich war, hatte ich dazu natürlich noch nicht allzu viel beizutragen, doch als wäre das nicht schon aufregend genug, galt die nächste Aufnahmeunterbrechung gleich mir. Auf dem Revers meines Sakkos befand sich natürlich noch immer der Schriftzug des damaligen Sponsors Hundert,6 - doch der ist eigentlich so klein, dass wir ihn bei der Garderobenauswahl nicht weiter beachtet hatten. In der Kamera schien er dann doch größer, als es im ZDF erlaubt war und so herrschte erst einmal aufgeregtes Treiben.

Da der Schriftzug nicht so schnell zu entfernen oder abzudecken war, wurde das Sakko erst einmal gegen ein anderes vom Moderator eingetauscht. Doch zu meiner Beruhigung trug das nicht gerade bei.

Nach einer nicht besonders berauschenden Allgemeinwissensrunde ohne Joker, den man dort gewinnen kann, um später eine falsche Antwort geben zu können, musste ich dann gleich als erster nach vorne, um mich vorzustellen und die erste Spielrunde zu meinem Fachgebiet zu beginnen. Nun, direkt im Rampenlicht stehend, war der Mund inzwischen so ausgetrocknet, dass ich das Gefühl hatte, die Lippen kaum noch auseinander zu bekommen, doch nach kurzem Smalltalk über mich und den Verein sollten mir die ersten sieben Fragen gestellt werden.

Plötzlich: 'Tunnelblick', unter vollster Konzentration sehe ich nur wie durch ein langes Rohr, drum herum alles schwarz und Kais Stimme dringt nur noch ganz dumpf zu mir vor, ein ähnlicher Zustand, wie man ihn von einem Schock nach einer Verletzung kennt. Man sollte nie zu viel über scheiternde Kandidaten im TV lästern, wenn man selbst noch nicht in diesem Zustand war, doch die ersten sieben Fragen sind glücklicherweise so einfach, dass sie wirklich jeder eingefleischte Hertha-Fan beantworten können müsste.

Angefangen mit dem Dampfer, der Namensgeber für unseren Verein war, über die Anzahl der in Folge erreichten Endspiele um die deutsche Meisterschaft, unseren aktuellen Trainer Jürgen Röber, den ewigen Torjäger Erich Beer, den sechsfachen Torschützen der Endspiele von 1929 bis 1931 Hanne Sobek, Vize-Meister-Trainer Sir Georg Kessler bis zu dem Gegner der Hertha-Bubis im Finale von 1993 waren alle Fragen leicht zu beantworten und schon war ich trotz Nervenflatterns in der nächsten Sendung.

Nach Ende der Aufzeichnung blieb genügend Zeit zum Essen und um die Garderobe zu wechseln, diesmal mit dem RISIKO-Aufkleber auf dem Adidas-Logo, doch zur zweiten Sendung war ich nicht annähernd so nervös wie zu Beginn. Dementsprechend gut ging ich auch in die Allgemeinwissensrunde. Buzzer für Buzzer holte ich die Punkte, bis mich der totale Black-out erreichte. Ausgerechnet ich als Elektrotechniker beantwortete nicht die Frage nach der Elektrischen Spannung. Zu einfach schien mir wohl die Frage, so dass meine Hände wie gelähmt über dem Buzzer schwebten, ohne jedoch draufzuhauen, obwohl mir ständig das Wort 'Volt' im Kopf hämmerte. Trotzdem gewann ich diese Runde mit 600,- DM, doch für diesen Ausfall verordnete ich mir die Höchststrafe und verzichtete auf den Joker, was hieß, dass ich auch in der folgenden Runde keinen Fehler machen durfte.

Doch diesmal viel lockerer und ohne Tunnelblick konnte ich auch ohne Joker erneut alle sieben Fragen nach dem Verein, in dem Andy Köpke vor Hertha spielte, der Höhe der blamablen Niederlage gegen den HSV in der Saison 79/80, der Herkunft von Zweitligarekordspieler Theo Gries, dem neuen Verein von Karl-Heinz Granitza nach seinem Weggang aus Berlin, dem Namen des Herthaners, der auch Funkturm genannt wurde und dem Schatzmeister, der 55.000 Eintrittskarten schwarz aus dem Sarg verkaufen ließ und den Hertha-Fröschen beantworten. Die dritte Sendung war somit erreicht.

Kurze Zeit später hieß es wieder fertig machen zur nächsten Sendung und somit auch das nächste Trikot anzuziehen, auf welchem diesmal, wie schon erwähnt, gleich zwei RISIKO-Aufkleber prangten, eines auf dem Adidas-Logo und eines über dem Trigema-Schriftzug. Doch das Trigema-Emblem sollte mir noch zum Verhängnis werden, denn das plastische Material bot dem Aufkleber nicht viel Halt und obwohl wir diesen nochmals erneuerten, ahnte ich schon, dass er mir noch Ärger bereiten sollte.

Von Nervosität war nun gar keine Spur mehr vorhanden und in der Allgemeinwissensrunde schlug ich mich wieder recht gut, wobei der Joker jedoch knapp an die Kandidatin zu meiner Linken ging. Während ein anderer Kandidat bereits mit Kai Böcking sein Fachwissen auf die Probe stellte, geschah, womit ich schon gerechnet hatte. Der Aufkleber hatte sich gelöst und in einem Moment, in dem ich nicht im Blickfeld der Kamera war, bückte ich mich, um diesen wieder aufzuheben. Fortan war ich nur noch damit beschäftigt, diesen wieder auf dem Werbeemblem anzudrücken und darauf zu achten, dass er nicht erneut abfiel. So hielt ich auch meine Hand vor den Aufkleber beim Gang zum Pult, als ich mit meiner dritten Runde an der Reihe war. Locker wie nie zuvor plauderte ich zunächst wieder mit Kai, bevor er mit der Wissensrunde begann. Die Fragen nach dem Gegner im Freundschaftsspiel, das im Januar 1990 über 50.000 Besucher angelockt hatte (1.FC Union) und nach dem Spieler, der, 82/83 für teures Geld an die Spree geholt, verletzungsbedingt nur 6 Spiele absolviert hatte (Rainer Bonhoff), waren keine große Hürde.

Dann jedoch nahm das Verhängnis langsam seinen Lauf. In der nächsten Frage ging es um den Bundesligaskandal und in diesem Zusammenhang um den Hertha-Spieler, der noch heute gesperrt ist. Hätte man mich doch lieber nach dem Spieler gefragt, der ohne Sperre davongekommen ist, weil er damals beim Spiel gegen Bielefeld verletzt war, nämlich Lorenz Horr, ging es mir durch den Kopf. Mir war jedenfalls kein Spieler bekannt, der nicht irgendwann begnadigt worden ist. Diese Frage musste ich also schieben, das heißt, ich konnte sie am Ende der Runde beantworten, darf dann bis dahin aber keinen Fehler mehr machen. Als Nächstes die Frage nach der Mannschaft, die Hertha BSC im Halbfinale 1930 geschlagen hatte. Da es sich nur um eine süddeutsche Mannschaft handeln konnte und ich kurz zwischen dem 1.FC Nürnberg und der SpVgg Fürth schwankte, entschied ich mich dann für die Nürnberger und lag damit erneut richtig.

Doch dann sollte doch noch das Schicksal zuschlagen. Im Hinterkopf über die geschobene Frage grübelnd, bemerkte ich, dass sich erneut der Aufkleber gelöst hatte. Nun hieß es irgendwie den Werbezug verdecken, um nur keine Unterbrechung der Aufnahme zu bewirken. Die nächste Frage brachte auch zunächst einmal eine Filmeinspielung auf die Leinwand. Ich erkannte sie sofort als das UEFA-Cup-Halbfinale gegen Roter Stern Belgrad im Berliner Olympiastadion 1979, das sollte also kein Problem darstellen und in der Zeit, in der Filme eingespielt wurden, war ich nicht im Bild, so dass ich mich schnell bücken könnte.

So dachte ich und tat's. Was sollte auch schon passieren? Vermutlich wurde nach dem Gegner gefragt oder dem Gegentor eine Viertelstunde vor Schluss, jedenfalls hob ich den Aufkleber auf und versuchte ihn erneut auf dem Werbe-Emblem festzudrücken. Die letzten Sekunden des Films gingen vorbei, was soll's, ich war damals im Stadion, keine Hürde. Doch dann wurde gefragt, wer das 2:0 erzielt hatte, nachdem Erich Beer die Berliner in Führung gebracht hatte.

Und plötzlich war es da, das große schwarze Loch im Kopf, obwohl ich genau wusste, dass Wolfgang Sidka den Treffer zugesprochen bekam, nach dem auf der Anzeigetafel damals zunächst 'Eigentor' gestanden hatte. Doch mit dieser Frage hatte ich gar nicht gerechnet und der Schreck darüber schien dieses Vakuum zu verursachen. Kai gab noch den Tipp, dass es sich um einen kurzen Namen handelte und in meiner Verzweiflung griff ich wohl nach dem kürzesten Namen, der mir einfiel: Horr. Da war er wieder, der falsche Gedanke und wohl wissend, dass Lorenz Horr zu diesem Zeitpunkt Hertha schon seit zwei Spielzeiten verlassen hatte, stieß ich ihn trotzdem aus, diesen Namen. Aus - das war's.

Kai gab schnell die Lösung preis und gab mir auch gleich die Antwort auf die geschobene Frage mit auf den Weg: Uwe Witt. Nun gut, er hatte seine Karriere nach dem Skandal beendet, aber war er auch wirklich noch gesperrt? Vielleicht war die Frage etwas dumm gestellt, aber beantworten können, hätte ich sie wahrscheinlich trotzdem nicht.

Ich ärgere mich nur tierisch, dass ich eine Frage verbockt habe, die ich im Schlaf hätte aufsagen müssen. Nicht, weil ich damit das Geld verspielt habe, mit dem ich vorsorglich auch nicht gerechnet hatte, sondern, weil ich einfach gerne noch weitergespielt und weitere Fragen beantwortet hätte. Auf jeden Fall hat es einen riesigen Spaß gemacht, insofern geht hier noch einmal mein Dank an Claudia, Trixi und Aki vom Karo-Team, insbesondere auch an Anja, die sich schon vor dem Casting so sehr um mich bemüht hat und Kai Böcking, dem ich mit der Sendung bald einen attraktiveren Sendeplatz wünsche.







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