Hertha-Freunde`92 auf Kultfahrt nach Unterhaching
(von Marco Lutz)
Die Chance, dass ein Auswärtsspiel unserer Hertha in München zeitgleich mit dem Oktoberfest stattfindet, ist nicht sehr groß, doch manchmal meint es der Spielplan gut mit uns Fans. Am 25. September 1999 war dies der Fall. Hertha musste bei Aufsteiger und "Kultverein" Spielvereinigung Unterhaching antreten. Da an diesem Wochenende auch der FC Bayern im Südderby gegen den VfB Stuttgart spielte, hatten wir die große Befürchtung, dass unser Spiel auf Freitag bzw. Sonntag verlegt werden würde. Aber es geschehen noch Zeichen und Wunder. Unser Spiel blieb auf dem Samstagstermin und der FC Bayern musste am Freitagabend spielen.
So machten sich drei Hertha-Freunde (Susanne, Thomas H. und ich) am Samstag früh um 5.30 Uhr auf den langen Weg in die bayerische Landeshauptstadt. Da die A9 um diese Zeit relativ leer war, trafen wir bereits um 11.45 Uhr bei meiner Ex-Freundin ein, wo wir auch übernachten wollten.
Da wir alle noch nicht viel gegessen, aber ich schon genug getrunken hatte, beschlossen wir, gleich zum Stadion zu fahren und dort eine Mahlzeit einzunehmen.
Gegen 13.00 Uhr erreichten wir den Sportpark Unterhaching. Wer von euch noch nie in Unterhaching war, hat wirklich was verpasst: Ein supersüßes Stadion, eine sehr gemütliche Kneipe gleich davor und einen dazugehörigen Biergarten. Absolut urig.
Da das Wetter recht gut war, setzten wir uns logischerweise in den Biergarten.
Leider gibt es in Unterhaching seit dem Aufstieg auch nur noch alkoholfreies Bier, aber egal, einfach mal probieren!
Hätten wir lieber nicht tun sollen. Mir war nach drei "Bier" so schlecht, dass ich gar keinen Hunger mehr hatte.
Nach und nach kamen immer mehr Herthaner und es wurde gemütlich. Unser Exil-Kölner Thomas J. gesellte sich auch noch zu uns. Bevor wir in den Hertha-Fanblock gingen, stattete ich dem Fanshop von Unterhaching einen Besuch ab und wurde fündig. Ein Schal und die Kult-CD "Rot-Blau" wechselten den Besitzer.
Zurück im Biergarten, trafen wir dann noch unsere Mitglieder Joachim und Micha. Zu sechst und immer noch hungrig machte man sich auf den Weg in den Block, der mit ca. 800 Herthanern gut gefüllt war. Wir hofften natürlich alle auf den ersten Auswärtssieg unserer Jungs - bekanntlich wurde aber nichts daraus. Aber das Unentschieden war gerecht und ich hatte - richtig - immer noch nichts gegessen. So begab man sich wieder in den Biergarten, um das Spiel noch einmal zu diskutieren.
Gegen 18.00 Uhr ging bei mir gar nichts mehr. Die anderen hatten in den letzten Stunden wenigstens Brezeln, Steaks oder Würstchen gegessen, ich leider nichts.
Jetzt musste etwas Deftiges in meinen Magen. So fuhren wir zu fünft (Thomas J. war schon wieder auf dem Weg zurück nach Köln) in ein mir bekanntes Lokal in Neuperlach.
Schon als wir das Lokal betraten, gab es erstaunte und begeisterte Gesichter. Hertha ist in München sehr beliebt. Als wir alle Anfragen nach dem Ergebnis erledigt hatten, bestellten wir erst einmal frisches und vor allem richtiges Bier. Es war an diesem Abend nicht das letzte. Endlich gab es auch was zu essen: einen Schweinebraten mit Knödeln und Salat. Absolut lecker. Danach setzten wir uns zu den uns bisher fremden Münchnern und schlossen Freundschaft.
Es wurde ein sehr lustiger Abend. Man trank und sang allseits bekannte Fußball- und Schunkellieder. Gegen 23.15 Uhr schaute man gespannt beim Kampf Axel Schulz - Vladimir Klitschko zu. Wenn ich ehrlich bin, so ganz aufnahmefähig war ich nicht mehr!
Da wir alle relativ fertig waren - die einen durch Alkohol, die anderen zollten der
Anstrengung Tribut - beschlossen wir um Mitternacht, nach Hause zu gehen.
Man bezahlte brav die Rechnung, trank noch den traditionellen Scheidebecher, als plötzlich drei völlig betrunkene Typen das Lokal betraten. Es waren Engländer. Ist ja nichts gegen zu sagen. Meine anderen Leute waren schon draußen, nur ich arme Sau war leider noch in der Kneipe. Zwei der Engländer kamen auf mich zu und fragten: "You are Hertha-Fan?" Da ich ein Trikot anhatte, konnte ich wohl kaum verneinen und antwortete in fließendem Englisch: "Yes!" Daraufhin baute sich einer der beiden vor mir auf und zeigte mir seinen tätowierten Oberarm. Was musste ich zu meinem Entsetzen lesen: FC CHELSEA! Übrigens hatte er Oberarme, da hätte man Eintracht Braunschweig ausgeschrieben auftätowieren können. Ach du Scheiße, dachte ich. Da war doch was mit Chelsea vor ein paar Tagen. In diesem Moment habe ich mir ausnahmsweise gewünscht, Hertha hätte gegen Chelsea verloren. Doch es stellte sich schnell heraus, dass die Jungs völlig o.k. waren. Sie luden mich zwar noch auf ein paar Biere ein, aber ich wollte lieber ins Bett. So fuhren wir zu unserem Nachtquartier und redeten noch eine Weile, bis gegen 2.30 Uhr die Nachtruhe begann.
Eigentlich wollten wir Sonntagvormittag, bevor es nach Berlin zurückging, noch einen Abstecher aufs Oktoberfest machen. Aber es regnete wie aus Eimern. Thema erledigt!
Jetzt war man schon mal zeitgleich mit einem Hertha-Spiel und dem Oktoberfest in München und es klappte wieder nicht. So machten wir uns frustriert gegen 11.30 Uhr auf den Weg zurück in die deutsche Hauptstadt. Vielleicht ergibt sich die Chance ja irgendwann noch einmal. Trotzdem war es ein lustiges, feuchtfröhliches Wochenende in der bayerischen Landeshauptstadt.
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