Ausgabe Nr. 32 - September 1999
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Niemals geht man so ganz - Abschied von Werner Fuchs
(von Ingo Deloie)
(Aachener Fans trauern um ihren Trainer Werner Fuchs -
Foto vom Aufstiegsspiel in Erkenschwick: Ingo Deloie)
Aachen, den 18.05.99
Obgleich angekündigt worden war, dass die Trauerfeier für Werner Fuchs jedem offen stehen sollte, fiel es dennoch sehr angenehm auf, dass dem einfachen Fan, ob in Kutte, mit Schal oder in Trainingskleidung, genauso problemlos Zutritt gewährt wurde wie den geladenen Gästen.
Viel Prominenz aus der Welt des Fußballs war gekommen: neben DFB-Präsident Egidius Braun viele namhafte Trainerkollegen wie Huub Stevens und Ewald Lienen, ferner Delegationen der Mannschaften, die Werner Fuchs einst trainiert hatte, darunter natürlich auch der Hertha-Mannschaft, mit der der Coach seinen größten sportlichen Erfolg feiern konnte: den Aufstieg in die Bundesliga 1990.
Lediglich den Zugang zum Domhof sperrte man zeitweilig für nichtgeladene Gäste, um den Zustrom besser regulieren und ein Gedränge vermeiden zu können. Bereits vor der Kathedrale lagen viele Kränze und Blumen - die schönsten Kranzspenden hatte man jedoch im Atrium der Kirche aufgestellt, wo sie ein Bild des Verstorbenen einrahmten, darunter der schöne Kranz der drei Berliner Fanclubs "Hertha BSC Fan-Club e.V.", "Fanclub Berlin e.V." und "Hertha-Freunde '92 e.V."
Die geladenen Gäste und Weggefährten von Werner Fuchs nahmen die für sie reservierten Plätze im Oktogon bzw. in der Chorhalle des Münsters ein, welches sich schnell bis auf den letzten Platz füllte, so dass sich später eintreffende Trauergäste zum Katschhof zwischen Dom und Rathaus begaben, wo sie die Messe auf einer extra aufgestellten Videoleinwand verfolgen konnten. Schnell war auch dieser Ort von ca. fünf- bis sechstausend Alemannia-Fans bevölkert, wovon viele noch im Blaumann oder einer anderen Arbeitsuniform steckten, sofern sie direkt von der Arbeit herbeigeeilt waren, um sich von ihrem Traineridol zu verabschieden.
Es war erstaunlich zu sehen, dass man den Sarg von Werner Fuchs im Kircheninnenraum aufgebahrt und mit einer schwarz-gelben Fahne bedeckt hatte - eine seltene Ehre, die sonst ausschließlich hohen kirchlichen oder staatlichen Würdenträgern zuteil wird. In der Begrüßungsansprache durch Dompropst Müllejans ausdrücklich hervorgehoben, sind es jedoch die besonderen Verdienste des Verstorbenen um den Erhalt dieses Weltkulturerbes, die das Domkapitel zu dieser bemerkenswerten Geste motiviert hatten. Persönliches Engagement auch außerhalb des Fußballs war für Werner Fuchs eben nie ein Fremdwort geblieben.
Zu den bewegendsten Momenten des ökumenischen Gottesdienstes gehörten vor allem die Ansprachen des Vereinspräsidenten, Wilfried Sawalies, und des Oberbürgermeisters der Stadt Aachen, Dr. Jürgen Linden, seines Zeichens Verwaltungsratsmitglied der Alemannia. Ersterer versprach noch einmal, dem Credo des Erfolgstrainers auch in Zukunft treu zu bleiben: "Ich verneige mich vor einem großen Menschen. Wir wollen das fortsetzen, was immer die Devise von Werner Fuchs war: Schritt für Schritt und Spiel für Spiel weitergehen." Noch einmal Bezug auf den Herzenswunsch des Trainers nehmend, beendete Linden seine emotionale Rede mit den Worten: "Werner, wir werden Samstag mit dir zusammen auf der Rathaustreppe stehen."
Das auf der Orgel vorgetragene Lied der Kölner Künstlerin Trude Herr, dessen Refrain zuvor von vielen Fans als Abschiedsgruß in die Kondolenzbücher geschrieben worden war, brachte die Gefühle der anwesenden Menschen exakt zum Ausdruck: "Niemals geht man so ganz, irgendwas von dir bleibt hier, es hat seinen Platz immer bei mir."
Nach knapp einer Stunde endete der Gottesdienst, und es war an der Zeit, endgültig Abschied zu nehmen. Werner Fuchs' Familie und seinen engsten Freunden folgend, sollten sich in den nächsten Stunden noch Tausende dem Defilee anschließen. Viele Fans der Alemannia legten eine gelbe Rose am Sarg nieder - ein letzter Gruß an den verstorbenen Trainer, dessen plötzlicher Tod Tragik und Triumph auf merkwürdige Weise verschmelzen und Alemannia von einem Sportverein zu einer Volksbewegung werden ließ.
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