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Kommentar: Das neue Olympiastadion

(von Harald Voß)

Nun wurde sie endlich gefasst, die Entscheidung! Endlich hat der Senat von Berlin mal nicht nur Gutachten in Auftrag gegeben, sondern wirklich mal einen Entschluss in der leidigen Stadionfrage gefasst. Das an und für sich ist schon allein eine positive Betrachtung wert.

Doch was wurde da beschlossen? Um Himmels Willen! Von allen zur Wahl stehenden Alternativen wurde die für den Sport ungünstigste Variante gewählt. Nachdem man sich vorher bereits eindeutig gegen die Variante eines parallelen Neubaus gewandt hatte, kam nun solch eine Mogelpackung heraus.

Dieses Stadion ist sowohl für den Fußball als auch für die Leichtathletik angesichts gestiegener Ansprüche völlig ungeeignet. Das Berliner Olympiastadion ist eines der zugigsten und bei entsprechenden Witterungsbedingungen unfreundlichsten Stadien Deutschlands. Man merkt dem Bauwerk halt doch sein Alter an. Entwickelt wurde das Stadion für Olympische Sommerspiele, wobei die Betonung auf Sommer liegt. Auch der nachträgliche Einbau einer Geradenüberdachung und einer Rasenheizung ändern daran nicht viel.

Jetzt soll viel Geld für eine Modernisierung ausgegeben werden, und die gröbsten Fehler des Stadions weder nicht nur nicht behoben, sondern sogar noch verstärkt.

Das Stadion soll weiterhin am Marathontor offen bleiben, ja sogar das Dach wird dort nicht geschlossen, weshalb das Stadion nicht nur weiterhin ein eisiger Wind durchwehen wird, sondern mit dem Verzicht auf ein rundum geschlossenes Dach handelt man sich die Notwendigkeit von zusätzlichen, die Sicht versperrenden, Dachstützen ein.

Laut Auskunft der Architekten sollen die entsprechenden sichtbehinderten Plätze nicht verkauft werden. Doch schon die Angabe von ca. 2000 betroffenen Plätzen lässt erahnen, dass damit lediglich die Plätze genau hinter den Pfeilen gemeint sein können. Die restlichen Zuschauer im Oberring werden damit leben müssen, dass sie sich je nach Ballposition immer mal wieder zum Nachbarn herüberbeugen müssen, um den Ball zu erspähen. So mag sich vielleicht der eine oder andere Zuschauer näher kommen, von Komfort in einem zeitgemäßen Fußballstadion kann da nicht die Rede sein.

Begründet wird das Ganze mit der Erhaltung der "Sichtachse" zum Glockenturm! Ein tolles Argument für die Sportveranstalter, die in diesem Stadion Veranstaltungen durchführen sollen. Dem normalen Zuschauer ist es ja sicher auch viel wichtiger, dass er von einigen wenigen Punkten des Stadions aus den Glockenturm in seiner vollen Größe sehen kann, als etwa eine gute Sicht auf das Spielfeld zu haben.

Durch die Absenkung des Spielfeldes und die nahezu unveränderte Position des Oberringes wird der Abstand der Plätze zum Spielfeld noch größer anstatt geringer. In jedem vernünftigen Stadion überragt der Oberring den Unterring, um auch den Zuschauer im Oberring möglichst nahe an das Spielgeschehen heranzubringen. In Berlin wird man in Zukunft wohl bald Ferngläser an den Kassen ausgeben müssen.

Mit diesem Entwurf wurde in Berlin, mal wieder, eine Chance vertan, z.B. mit einem verschließbaren Dach etc., auch im Winter und bei strömendem Regen annehmbare Bedingungen für die Zuschauer zu schaffen.

Schließlich geht der Trend aufgrund des aufgeblähten Terminplans durch Europapokal und immer größere Welt- und Europameisterschaften immer mehr dazu, die Winterpause zu verkürzen, wenn nicht sogar ganz abzuschaffen.

Das kann nur gelingen, wenn dem Zuschauer im Gegenzug bessere Bedingungen in der Stadionausstattung, vor allem was den Wetterschutz angeht, geboten werden. Dann wird auch die Gefahr von Spielausfällen, wie zuletzt beim Spiel gegen den SC Freiburg, wesentlich geringer.

Nicht zuletzt ein immer wichtigerer Punkt für die Profiklubs: Logen und Business Seats. Ganze 23 Logen sieht der Vorschlag vor - schon jetzt viel zu wenig. Schalke plant für sein neues Stadion 128! Logen können zu einem großen Teil dazu beitragen, die Eintrittspreise für das einfache Volk erträglich zu halten und damit die Stimmung im Stadion zu behalten. Auch hier werden Berliner Vereine in Zukunft nicht konkurrenzfähig sein können.

Aber als allergrößter Haken an dem Beschluss des Senats dürfte sich die offene Finanzierungsfrage erweisen. Der Bund hat zwar eine Finanzhilfe von 100 Millionen zugesagt, das Land Berlin will in etwa die gleiche Summe dazugeben, der Rest soll durch einen privaten Investor aufgetrieben werden.

Wieder einmal erschallt der Ruf nach einem privaten Investor, der öffentliche Konzepte durchsetzen soll. Aber welcher Investor investiert in ein Stadionprojekt, von dem z.B. die ufa sagt, dass es nach den bisherigen Vorstellungen so nicht refinanzierbar ist, wenn er andererseits mit den gleichen Finanzmitteln ohne Staatszuschüsse einen Neubau als reines Fußballstadion mit allen nötigen Extras errichten könnte, der sich sehr wohl refinanzieren ließe. Nicht zuletzt Schalke 04 ist dabei, dafür den Beweis anzutreten, auch der HSV wird schon bald in einem schmucken Fußballstadion spielen können, nur Berlin schaut wieder in die Röhre.







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