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Verlag Harald Voß
Wir erinnern uns ...

(von Harald Tragmann)

Diesmal haben wir jemanden gefunden, der sich für uns an eine Zeit bei Hertha erinnert, über die viele vergeblich nach Informationen suchen und die meisten wohl gar nicht wissen, daß sie je existierte.

Die Rede ist von dem Abschnitt nach Kriegsende bis zur Einführung der Vertragsliga in Berlin, während dieser Zeit nämlich existierte der Name Hertha BSC lange Zeit nicht mehr.

Ohne Rücksicht auf die lange Tradition der Berliner Vereine wurden im September 1945 auf Anordnung der Alliierten alle Vereine aufgelöst und Stadtbezirksmannschaften gebildet, die zunächst in vier Stadtliga-Staffeln im Liga-System gegeneinander antraten.

Auch wenn Vereine nicht erlaubt waren, so waren die meisten Bezirksmannschaften doch mit den alten Vereinen identisch. Hinter der SG Wilmersdorf verbarg sich der Berliner SV 92 und hinter Prenzlauer Berg West die ebenso traditionsreiche Alemannia 90. Hertha BSC schließlich trat als SG Gesundbrunnen an.

Zu dieser Zeit begann auch Horstmar Stade, gegen den Ball zu treten. An der Bornholmer Straße nahe der Plumpe aufwachsend, dienten zunächst abgewetzte Tennisbälle als Objekte der Begierde, denn die ersten größeren Bälle, noch aus Gummi bestehend, gab es erst ab 1947.

Mit beiden Füßen gleich gut mußte dieser kleine Ball über die Bordsteinkanten in die als Tore dienenden Hauseingänge balanciert werden. Das schulte besonders die beidfüßige Technik, was Horstmar heute so oft am Fußball vermißt.

Hertha BSC, pardon, die SG Gesundbrunnen empfing ihre Gegner auf dem Herthaplatz und auch Horstmar wollte diese Spiele sehen. Am Zauberberg, möglichst weit vorn, in der Nähe des Torwartes, verfolgten er und seine Kumpels die Spiele und trotz des vorübergehend ungewöhnlichen Vereinsnamens feuerten sie ihr Team auch damals mit einem kräftigen "Ha Ho He Hertha BSC" an.

Den Herthaplatz kannte er aber nicht erst seit dieser Zeit, er kann sich noch besonders gut an ein Duell aus dem Jahre 1943 erinnern, als die Mannschaft der Luftwaffen SV auf das Team der Heeres SV traf.

Mit der Zeit bekam er Lust, selber bei Hertha zu spielen, und so erhielt Horstmar am 30. März 1948 seine Spielberechtigung für die Jugendabteilung der SG Gesundbrunnen.

Das war auch die Zeit, als die halbe Mannschaft des Traditionsvereins "Dresdner SC" die Flucht nach Berlin (West) antrat und bei Hertha, äh Gesundbrunnen, Zuflucht fand. Der spätere Bundestrainer Helmut Schön fungierte noch bis zur Saison 50/51 als Spielertrainer. Unstimmigkeiten führten jedoch dazu, daß die meisten Dresdner ins Ruhrgebiet weiterzogen, um dort wenig später den "DSC Wanne Eickel" zu gründen.

Horstmars Bruder Wolfgang, der zwei Jahre älter war, spielte ebenfalls in einer der Jugendmannschaften, zusammen mit Helmut Faeder, der mit 351 Liga-Einsätzen und 212 Liga-Toren von 1953 bis 1967 Herthas Rekordspieler der Nachkriegszeit wurde.

Doch auch Horstmar hatte einen Spieler der späteren 1. Mannschaft in seinem Team. So erinnert er sich noch an den flinken Sportkameraden Horst Seide, der es in den Jahren 1951 bis 1958 auf immerhin 58 Einsätze brachte.

Während der Saison 1948/49 bekamen die meisten Spielgemeinschaften ihre alten Traditionsnamen wieder. Aus der SG Charlottenburg wurde Tennis Borussia, die SG Spandau-Altstadt wurde zum Spandauer SV, SG Reinickendorf West hieß nun wieder Wacker 04 und auch die SG Gesundbrunnen durfte sich ab dem 1.August 1949 wieder Hertha BSC nennen. In den Tageszeitungen, und bei den Fans sowieso, wurde sie auch schon vorher so genannt.

Kurz zuvor waren sie gerade Staffelsieger der 1.Ligaklasse - Staffel C geworden und stiegen in die Stadtliga auf, um bei der ab 50/51 neu gegründeten Berliner Vertragsliga mit dabeizusein.

Im Gegensatz zur Stadtliga, in der Mannschaften aus beiden Teilen Berlins gegeneinander antraten, durften die Teams des Ostteils bei dieser "kapitalistischen" Neuerung nicht mitmachen. Dieser Tatsache haben wir es auch zu verdanken, daß die zu der Zeit in der obersten Berliner Spielklasse spielenden ersten Mannschaften von Union Oberschöneweide und Alemannia komplett in den Westteil "flüchteten" und es deshalb z.B. Union (Union 06 und 1.FC Union als Neugründung in Oberschöneweide) "doppelt" gibt.

Als Horstmar dann vorübergehend Berlin verließ, erhielt er am 30.6.1950 den Stempel von Hertha BSC in seinem Spielerpaß.

Wenige Jahre später kehrte er jedoch nach Berlin zurück. Als er beim Wachschutz der amerikanischen Alliierten tätig wurde, begann er, für die Lichterfelder Sport-Union zu spielen, die vom Wachschutz selbst gegründet worden war.

Den Kontakt zu Hertha verlor er aber nicht, denn zeitgleich trat er auch für Herthas Boxstaffel in den Ring.

Außerdem sollte er noch mal Kontakt zu einem berühmten Herthaner früherer Zeiten bekommen.

Für die Lichterfelder Sport-Union bestritt Horstmar einen Übungsleiter-Lehrgang in Wannsee unter Betreuung von Hertha-Idol 'Hanne Sobeck', der die alte Dame Hertha in sechs Endspielen um die deutsche Meisterschaft unterstützt und zweimal zu deutschen Meisterehren geführt hatte. Unter dem Namen SG Gesundbrunnen erreichte Hertha BSC in den Nachkriegsjahren folgende Plazierungen:

1945/462. Platz in der Qualifikation zur
Stadtliga (Staffel Nord).

7. Platz - Stadtliga, Staffel C
1946/472. Platz - 1. Ligaklasse, Staffel C
1947/489. Platz - 1. Ligaklasse, Staffel A
1948/491. Platz - 1. Ligaklasse, Staffel C
1949/50als Hertha wieder in der Stadtliga







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