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Verlag Harald Voß
Wir erinnern uns ...

(von Harald Tragmann)

Heute wollen wir uns mit einem Kapitel aus Herthas kurvenreicher Geschichte befassen, das sicherlich zu den sportlichen Tiefpunkten gehört, an das man sich aber im nachhinein mit einem Schmunzeln auch gerne erinnert.

Drei Berliner Teams spielten in der Saison 1985/86 in der 2. Bundesliga. Neben Blau-Weiß 90, die in diesem Jahr in die Bundesliga aufstiegen, auch Tennis Borussia und natürlich Hertha BSC, die beide den schweren Gang in die Berliner Amateur-Oberliga antreten mußten.

Angesichts der zu erwartenden Zuschauermassen freuten sich die vielen Berliner Vereine auf die Hertha, der sie versuchen würden auf dem Weg zurück in den bezahlten Fußball, ein Bein zu stellen.

Gleich zum Saisonauftakt 1986/87 sollte sich dieses auch bestätigen, denn 4.248 Zuschauer wollten dabeisein, als Hertha BSC an der Neuendorfer Straße beim Spandauer SV antreten mußte. Und wie zu erwarten war, wurde es ein schweres Spiel, doch letztendlich konnte sich der Traditionverein von der Plumpe trotz 0:1 Pausenrückstand mit 3:2 durchsetzen.

Berlin war zu diesem Zeitpunkt natürlich noch zweigeteilt und Hertha tingelte innerhalb der Mauer von Bezirk zu Bezirk. Wenn es allerdings zu den Heimspielen ging, so ging es für viele auch mal durch die Mauer, denn Herthas Heimstätte war das alte Poststadion, das am besten über den S-Bahnhof Lehrter Bahnhof zu erreichen war.

Dann pilgerten zahlreiche Hertha-Fans über den S-Bahnhof Friedrichstraße an den Grenzposten vorbei auf den oberen Bahnsteig, von wo aus der Zug den ehemaligen Ostteil der Stadt durchquerte und am Reichstag vorbei die Mauer wieder hinter sich ließ und dem Lehrter Bahnhof entgegenstrebte.

Der SC Gatow war als erstes zu Gast bei Hertha und mit 1.635 Zuschauern kamen, wie eigentlich die ganze Saison über, auch weniger Fans zu den Heimspielen als zu den meisten Auswärtsspielen. Dafür wurde der SC Gatow mit 5:0 klar geschlagen und die wenigsten Teams hatten eine echte Chance gegen den Traditionsverein.

Die ersten Punktverluste gab es beim 3:3 Unentschieden gegen Tasmania 73 und mit einem 2:2 auf dem Schotterplatz des TSV Rudow, der sich den Spielball anschließend in seine Glasvitrine legte.

Richtig interessant wurde es beim großen Derby gegen Tennis Borussia, das Hertha vor dem Saisonrekord von 8.159 Zuschauern im Poststadion mit 3:0 gewann. Niemand konnte Hertha damals schlagen und Siege mit vier und mehr Toren Unterschied waren keine Seltenheit.

Mit 53:7 Punkten und 102:25 Toren am Saisonende konnte sich Hertha klar an der Spitze durchsetzen und vorzeitig die Aufstiegsrunde erreichen. Um das Team auf die Aufstiegsspiele vorzubereiten, ließ man im letzten Spiel beim VfB Neukölln die zweite Garnitur, verstärkt durch zahlreiche Jugendspieler, auflaufen und so gelang es den Neuköllnern als einzigem Verein, Hertha mit 2:0 zu besiegen, was für die Gesundbrunner sicherlich keine Rolle mehr spielte, die Neuköllner jedoch in frenetischen Jubel ausbrechen ließ.

Die anschließende Aufstiegsrunde verlief dann leider nicht so erfolgreich, denn obwohl Hertha ein Unentschieden im letzten Spiel gegen den BVL Remscheid im Olympiastadion genügt hätte und man zur Pause sogar schon mit 1:0 führte, gelangen dem Gegner noch drei Tore, und Hertha mußte eine weitere bittere Ehrenrunde in der Oberliga drehen, was dann kaum noch jemand mit einem Schmunzeln aufnahm.

Das Team wurde durch neue Spieler ergänzt und nicht zuletzt durch Ex-Profi Walter Junghans im Hertha Tor, der zu Saisonbeginn aber noch gesperrt war, sollte der Aufstieg diesmal geschafft werden.

Doch die Saison enthielt diesmal mehr Stolpersteine als im vorhergehenden Jahr. Der ebenso traditionsreiche Verein Wacker 04 besiegte im fünften Spiel die Hertha zu Hause mit 2:1 und vier Spiele später verlor Hertha das Derby bei Tennis Borussia im Mommsenstadion vor 4.992 Zuschauern mit 2:1 und TeBe machte Hertha die Spitzenposition ernsthaft streitig.

Die ersten Heimspiele trug Hertha diesmal an der Osloer Straße aus, doch die großen Zuschauermengen bedeuteten ein zu großes Sicherheitsrisiko und so durfte man wieder ins Poststadion ziehen. Dort konnte dann auch Walter Junghans endlich seinen ersten Einsatz für Hertha absolvieren, denn am 4.10.87 hütete er im Spiel gegen den damals aufstrebenden Verein BFC Türkiyemspor das Tor der Gesundbrunner.

11.949 Zuschauer, je zur Hälfte Anhänger der beiden Vereine, pilgerten zum erneuten Saisonrekord ins Stadion und Junghans stellte gleich seine Wichtigkeit für den Rest der Saison unter Beweis. Mit ihm gewann Hertha 2:0 und trat erneut den Weg an die Spitze an.

Am Nikolaustag 1987 ging es wieder auf den Schotterplatz an der Stubenrauchstraße und die Rudower griffen zu einer etwas ungewöhnlichen Methode. Der Spielball aus dem 2:2 des Vorjahres wurde wieder aus der Vitrine geholt und sollte für das nötige Glück sorgen. Für die Rudower zahlte sich dieses Ritual jedenfalls aus, denn mit 2:1 fügten sie der Hertha ihre dritte Saisonniederlage zu.

Die vierte Niederlage folgte im Rückspiel beim BFC Türkiyemspor mit 0:1, und vier Unentschieden sorgten für weitere Punktverluste im Kampf um die Spitze. Dennoch sollte es am Ende zum Erreichen der Aufstiegsrunde genügen.

Im drittletzten Spiel bei der Lichterfelder SU trat die Hertha erstmals mit neuen längsgestreiften Trikots an, die ihr auch in den Aufstiegsspielen Glück bringen sollten. Ein Raunen ging durch die Hertha-Anhänger, als das Team in diesen Jerseys den Platz betrat und vier Tore der Hertha-Spieler taten ihr übriges zur guten Stimmung.

Die Aufstiegsrunde wurde dann diesmal erfolgreicher absolviert und obwohl es zwischenzeitlich für unsere Hertha gar nicht so gut aussah, wurde der Aufstieg mit einem 4:1 Sieg am letzten Spieltag bei Preußen Münster doch geschafft. Gegner waren dabei unter anderem der MSV Duisburg und der VfL Wolfsburg, die damals nicht den Sprung in den bezahlten Fußball schafften, heute aber wieder Gegner der Berliner sind.

Eine lange Durststrecke in Herthas abwechslungsreicher Geschichte war damit jedenfalls beendet, und zwei Jahre später sollte Hertha sogar wieder in der 1. Bundesliga spielen, was dann aber weniger erfreulich verlief.

Heute denkt wohl jeder Hertha-Fan mit einem Lächeln an diese Zeit in der Oberliga zurück, aber miterleben? Nein, miterleben möchte dies wohl keiner nochmal.







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