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Verlag Harald Voß
Sonntagsdemo in Leipzig

(von Harald Voß)

Nicht erst nach dem erfolgreichen Rückrundenauftakt war uns klar: Wir fahren nach Leipzig! Da mir die A9 schon zum Halse raushängt und Leipzig ja nicht so weit weg ist, sollte diesmal die Umwelt geschont und die Verbindungen der Deutschen Bahn mit dem Wochenendticket genutzt werden.

Schließlich war ein Sonderzug mit Halt in Wansee angekündigt. Zusammen mit noch etwa 50 Gleichgesinnten warteten wir dann dort, nur der Zug, der fuhr ohne uns! Kurz zuvor war die wenig erbauliche Durchsage gekommen, daß der Sonderzug total überfüllt wäre und deshalb in Wannsee durchfahren würde! Glücklicherweise kam die Regionalbahn zehn Minuten später, so daß wir alle rechtzeitig in Leipzig auf dem Hauptbahnhof eintrafen.

Während die Reisenden des Sonderzuges irgendwo auf einem Vorortbahnhof in Stadionnähe abgesetzt wurden und den Rest zu Fuß zurücklegen durften, konnten wir gemütlich mit der Straßenbahn fahren. Zwischendurch kam uns noch eine grünweiß-geschmückte Party-Tram mit Sachsen-Leipzig-Fans entgegen, die uns mit einem freundlichen "Ha Ho He" begrüßten.

Soweit moralisch aufgebaut, kamen wir dann in ständigem Nieselregen am Bruno-Plache-Stadion an und landeten natürlich prompt am falschen Eingang...normalerweise kein Problem, nur daß man in Leipzig, wenn man zur anderen Seite des Stadions will, erst einmal durch die halbe Stadt, immer den ins Stadion strömenden VfB-Fans entgegen, laufen darf...

An den Kassen folgte dann der nächste Schock: Während die Leipziger für einen Stehplatz gerade mal 9 Mark löhnen, hat man uns für einen Kurven-Stehplatz doch tatsächlich 14 Mark abgeknöpft! Doch es ging weiter, so daß überhaupt keine Zeit blieb, sich ob der Ungerechtigkeit groß aufzuregen, der Gästefanblock war nämlich total überfüllt, während die beiden angrenzenden Blöcke aus unerfindlichen Gründen gesperrt waren (Ob es daran lag, daß dort keine von diesen feinen Kieselsteinchen verstreut waren, so daß es den Zuschauern dort etwa an Wurfmaterial fehlen könnte???).

Mit viel Glück haben wir dann doch noch irgendwo einen Platz ergattert, wo man zwischen den Fahnen und Gitterstäben hindurchsehen konnte...Nun traf man auch unsere sonderzugreisenden Hertha-Freunde wieder, die in der Zwischenzeit schon 1 1/2 Stunden Wartezeit an der Würstchenbude hinter sich hatten.

Sogar Unterstützung von anderen Klubs konnten wir in unserem Fanblock begüßen: Ein etwa siebenjähriger Sachsen-Leipzig-Fan mit grüner Zipfelmütze wollte uns gegen den VfB unterstützen. Auch wenn wir es diesmal nicht unbedingt nötig hatten: Vielen Dank!

Dann, endlich, ging es los, der Nieselregen wollte und wollte nicht aufhören, und dem paßten sich beide Mannschaften in der ersten Halbzeit an: Tore - Fehlanzeige! Aber dann: 3:0 schickten unsere Jungs die Leipziger in die Kabine und der Jubel kannte kaum Grenzen.

An die obligatorischen 10 Minuten Wartezeit nach Spielende könnte man sich so sogar gewöhnen, doch was dann kam, ging etwas zu weit! Drei Straßenbahnzüge hatten uns die Leipziger großzügig zur Verfügung gestellt, um für einen "reibungslosen" Abtransport der Hertha-Fans zum Hauptbahnhof zu sorgen...Reibungslos war dann der Abtransport wirklich: Es bewegte sich nichts! Die Straßenbahnen warteten wohl, bis alle 2000 Fans in den lächerlichen drei Zügen waren...selbst für Berliner Fans eine Sache der Unmöglichkeit, so daß die meisten auf die nächsten Züge warteten. Die aber kamen nicht...zumal die Ordnungsmacht ohnehin die Gleise versperrte...

Nachdem wir also eine Ewigkeit gewartet hatten und kein Zug auch nur den Anschein erweckte, sich zu bewegen, das obligatorische Wippen einmal ausgenommen, kam dann das Kommando "Zurück", und man machte sich wohl oder übel zu Fuß auf den Weg! Glücklicherweise war gerade nicht Montag, so daß keine Mißverständnisse aufkommen konnten...

Genugtuend war bloß, daß die vielen Leipziger Autofahrer, die ihren Wagen am nahen Völkerschlachtdenkmal geparkt hatten, nun auch nicht weiter kamen, da die Straße von dem "Hertha-Aufmarsch" blockiert war. So kam es dann, daß wir an diesem herrlich verregneten Sonntagnachmittag noch zu einem etwa zweistündigen Spaziergang kamen (Spaziergang ist dabei arg untertrieben, denn wir mußten uns beeilen, wenn der Zug pünktlich abfahren sollte).

Erstaunlicherweise haben wir den Bahnhof rechtzeitig erreicht und die Deutsche Bahn hatte sogar reagiert und noch ein paar Wagen an den Sonderzug angehängt. Allerdings sollte auch dieser wieder nicht in Wannsee halten, so daß wir erneut die Regionalbahn nahmen...

Alles in allem war es ein sehr anstrengender Tag, und wahrscheinlich werden wir das nächste Mal wohl wieder mit dem Auto fahren...es kann doch eigentlich nicht so schwer sein, einen Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch eine Stadt wie Leipzig zu organisieren...







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