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Verlag Harald Voß
Besuch beim Hertha-Training

(von Marco Lutz)

Donnerstag, 9.11.1995. Zwei Tage vor dem wichtigen Auswärtsspiel findet auf einem Nebenplatz des Olympiastadions das Abschlußtraining statt, bevor es einen Tag später punkt 9.00 Uhr nach Nürnberg geht.

Es ist einer der Tage, an denen man am besten zu Hause im Bett bleiben sollte. Dunkle Wolken, Nieselregen und Nebel umrahmen den Trainingsplatz von Hertha. Kurz vor 15.00 Uhr kommen die Spieler aus der Kabine. Auf dem ca. 200 Meter langen Weg zum Plaz stelle ich fest, daß heute alle anwesend sind. Keine Verletzungen, keine Behandlungen. Alles fit. Auf dem Trainingsplatz angekommen, bin ich wieder fast der einzige Zuschauer. Nur vier nette Mädchen und der Reporter der Bild-Zeitung sind noch interessierte Zaungäste.

Punkt 15.00 Uhr geht es los. Lockeres Aufwärmen mit und ohne Ball, danach das bei allen Mannschaften beliebte Spiel 5 gegen 2 in 3 Gruppen. Dann teilt Trainer Karsten Heine die Truppe in zwei große Gruppen. Die eine macht Torschußübungen, die andere übt Direktpässe mit und ohne Gegner.

Nach ca. 25 Minuten tauschen die Gruppen. Zwischendurch unterbricht K.Heine immer wieder das Training, um auf Fehler aufmerksam zu machen. Die Atmosphäre auf dem Platz ist sehr locker. Es wird geflachst und gelacht. So macht Training Spaß, natürlich ist jeder mit dem nötigen Ernst und Einsatz bei der Sache. Nach ca. 70 Minuten ist alles vorbei. Die Mannschaft läuft aus, danach gehen die ersten in die Kabine, andere bleiben noch und machen Torschußübungen.

Nach dem Training führte ich mit Karsten Heine noch ein interessantes Interview über das Thema 'Trainingsaufbau in einer Woche'.

Karsten, wie baust Du Dein Trainingsprogramm auf ?

Erstmal gibt es hinsichtlich der Belastungsgestaltung einen gewissen Aufbau. Es sind immer zwei Tage dabei, wo man sehr intensiv arbeitet, das heißt die Belastung sehr hoch ist.

Stimmst Du Dein Training auf den jeweiligen Gegner ab ?

Grundsätzlich versuchen wir, unsere eigenen Möglichkeiten zu verbessern. Wer unsere letzten Spiele gesehen hat, der hat gemerkt, daß es besonders am Kombinationsspiel bzw. der Ballsicherheit nach vorne einige Schwächen gab. Im Abwehrbereich steht die gesamte Mannschaft sehr gut. Aber im Spiel nach vorne unterlaufen uns zu viele Fehler, daran arbeiten wir intensiv. Natürlich werden auch die grundsätzlichen Sachen wie Zweikampfgestaltung bzw. Zweikämpfe immer wieder geübt, um auf der einen Seite die Ballsicherheit zu erhöhen und auf der anderen Seite die Abschlußhandlungen (Torschüsse, Flanken). Auch die konditionellen Fähigkeiten wie Schnelligkeit und die Sprintigkeit gehören zu den Grundübungen.

Karsten, warum tut sich die Mannschaft so schwer, die positiven Ansätze vom Training auf das Spiel umzusetzen ?

Ich will erstmal einen Unterschied zwischen unseren Heim- und unseren Auswärtsspielen machen. In den Heimspielen ist es in der Tat so, daß ein Großteil der Mannschaft sehr gehemmt ist, wenn wir nicht gleich ein Tor erzielen. Das war ja leider in letzter Zeit häufiger der Fall. In den Auswärtsspielen treten wir couragiert und selbstbewußt auf, weil dort Fehler nicht gleich von außen (Publikum) mit Pfiffen bedacht werden. Jeder einzelne Spieler muß da aber durch. Schließlich ist es sein Beruf. Die Spieler müssen auch mit Pfiffen fertigwerden, obwohl diese teilweise, wie ich finde, nicht gerechtfertigt sind, weil die Mannschaft auch gute, leider aber nicht erfolgreiche, Spiele gezeigt hat. Doch am Erfolg werden wir schließlich gemessen.

Danke Karsten, für Deine Ausführungen. Es ist, so glaube ich, für alle, die nicht die Gelegenheit haben, das Training anzuschauen, interessant, einen Einblick in den Trainingsablauf zu erhalten.

Solltet auch Ihr Interesse haben, einmal mit zum Training zu kommen, meldet Euch bei mir oder in der Geschäftsstelle. Dort erfahrt Ihr sämtliche Trainingszeiten.







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